Liebt ihr internationale Küche und habt Lust auf etwas, das ihr so nicht jede Woche auf dem Teller habt? Dann schreibt euch Chishuru in London auf die Liste. Westafrikanische Küche auf Spitzenniveau bekommt Ihr nicht jeden Tag und das ganze auch noch relativ preiswert.
Restaurant Chishuru London
Nur ein gesetztes Menü (Lunch ca. 55£ + Erweiterungen, Dinner ca. 105£); Abends kann es (wohl) lauter werden; spannende Naturwein-Ausrichtung; es gibt eine „Founder Wall“ mit Unterstützer:innen, die den Aufbau ermöglicht haben; eigene Gewürzmischung (BBQ-orientiert) 6£
Bei meinem Mittagessen im Chishuru war ich relativ schnell begeistert. Schon die Vorspeisen brauchten mich in eine mir nicht bekannte Küche. Westafrika dient nicht als Deko, sondern steckt im Essen. Es steht nur das Mittagsmenü mit 4 Gängen für 55 £ zur Auswahl, das lässt sich aber noch ein wenig erweitern. Eine weitere Vorspeise ist explizit auf der Karte ausgewiesen und auf Nachfrage konnte ich auch eine zweite Hauptspeise für 18 £ extra nehmen. Dazu kamen die 10 € für die Side Dishes. Letztere würde ich immer empfehlen, und insbesondere wenn man recht hungrig ins Restaurant geht und „nur“ die 4 Gänge hat.

Die Gänge selber konnten überzeugen und insbesondere der extra bestellte Lammbauch war wirklich begeisternd und ich war ein wenig traurig, dass ich nicht doch Abends zum großen Menü da war.
Als Hauptspeise habe ich mich für den Fisch- und den Fleischgang entschieden und war ebenfalls sehr glücklich, die Kokossoße unter dem RedSnapper war sehr sehr gut und auch die Cashewsauce mit dem Jalapeno Puree konnten zum Stubenkücken überzeugen.
Neben der Weinbegleitung habe ich zum Abschluss noch einen Okra Martini bestellt. Sowas wie der Hausdrink beginnt er recht harmlos, aber auch hier kommen beim trinken die intensiven Aromen hervor.
Ich mag Chishuru auch, weil die Geschichte dahinter toll ist. Joké Bakare hat keine klassische Kochausbildung. Sie ist Quereinsteiger*in. Sie hat sich über Pop-ups und das „einfach machen“ in die Liga gekocht, in der sonst oft die klassischen Lebensläufe stehen. Unterstützer halfen mit Vorab-Gutscheinen und Spenden beim Umzug in die jetzige Location. Ihr seht die Namen als dezente „Founder Wall“, wenn ihr reinkommt.

Der Volkermampft-Check
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Geschmack
Sehr, sehr gut. Viele Aromen, die nicht „brav“ um die Ecke kommen, sondern richtig Charakter haben. Die Schärfe war stellenweise deutlich da (positiv!), ohne dass es nur um Schärfe ging. Wenn ich überhaupt Kritik suchen muss: Sehr, sehr gut. Viele Aromen, die nicht „brav“ um die Ecke kommen, sondern richtig Charakter haben. Die Schärfe war stellenweise deutlich da (positiv!), ohne dass es nur um Schärfe ging. Wenn ich überhaupt Kritik suchen muss: Die Sidedishes sind doch eher einfach gehalten in Richtung „okay, aber unaufgeregt“ und konnten nicht ganz mit dem Rest mitgehalten – und das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau.
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Handwerk
Man merkt, dass hier sauber gearbeitet wird und zwar auf hohem Niveau. Garungen, Texturen, Saucen – alles soweit stimmig. Kleinigkeiten waren vielleicht nicht zu 100% perfekt, aber insgesamt sehr gut.
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Preis-Leistung
Für das Level ist das Lunch-Menü für £55 ein echter Knaller. Und selbst das Dinner-Menü bleibt im Verhältnis fair – vor allem, wenn man einordnet, dass wir hier über Sterneküche reden, die nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich besonders ist.
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Atmosphäre
Modern, klar, angenehm – kein steifer Fine-Dining-Film. Man sitzt nicht wie Sardinen, es gibt Trennelemente und insgesamt eine entspannte Stimmung. Bei mir war es mittags eher ruhig (der Laden war nicht voll), aber ich würde im Hinterkopf behalten: Modern, klar, angenehm – kein steifer Fine-Dining-Film. Man sitzt nicht wie Sardinen, es gibt Trennelemente und insgesamt eine entspannte Stimmung. Bei mir war es mittags eher ruhig (der Laden war nicht voll), aber ich würde im Hinterkopf behalten: Abends kann’s lebhafter werden. Der Service war freundlich, schnell und präsent – und konnte sogar die Wein-Begleitung erklären (Ist mittags nicht selbstverständlich).
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Wiederkommen
London hat brutal viel Auswahl, klar. Aber westafrikanische Spitzenküche in dieser Qualität? Das ist selten. Genau deshalb: Ich komme wieder. Nicht zwingend jedes Jahr, aber ich freue mich auf meinen nächsten Besuch.
Fazit
Chishuru will nur eins: gut kochen – ohne Schnickschnack. Hier bekommt etwas seltenes eigenständige Küchen auf hohem Niveau zu wirklich fairen Preisen, insbesondere wenn man bedenkt, dass man in London ist.